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Hornhautbank

Geschichte und Entwicklung der Hornhautbank Essen

Die Hornhautbank des Zentrums für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Essen (Cornea Bank Essen, Ärztlicher Leiter: Prof. Dr. med Meller) wurde im Jahre 1997 gegründet. Die CBE arbeitet auf Grundlage der Organkultivierung mit Standard Operating Procedures. Sie ist Mitglied der Sektion für Gewebetransplantation und Biotechnologie. Eine Zertifizierung der CBE fand im Jahre 2007 nach DIN EN ISO 9001:2000 durch die LGA InterCert GmbH statt. 

Durch stete Optimierung der In-Kulturnahme der Hornäute im Rahmen der Qualitätssicherung konnte die Rate der transplantierten Hornhäute auf 200 Stk. / Jahr gesteigert werden. Aus diesem Grund ist die Bereitschaft zur Gewebe-Spende weiterhin wichtig, um sehschwachen oder erblindeten Patienten helfen zu können.

Welches sind die Ausschlusskriterien für eine Hornhautspende? Wie werden die Spender getestet?

In Einklang mit den Durchführungsbestimmungen der Arbeitsgemeinschaft deutscher Hornhautbanken und den Richtlinien der Bundesärztekammer zum Führen einer Hornhautbank, publiziert im Deutschen Ärzteblatt, werden übertragbare Infektionen wie HIV oder Hepatitis B und C durch serologische Testungen ausgeschlossen.

Liegen keine Ausschlusskriterien vor, so wird bei vorhandener Einwilligung der nächsten Angehörigen eine Hornhautspende bis zu einer post-mortem Zeit von 72 Stunden durchgeführt. Eine Kultivierung der Hornhautscheibchen in Organkultur (bei 37° C im Inkubator [=Brutschrank]) kann bis zu 6 Wochen erfolgen. Haben die Hornhäute im entquollenen Zustand vor einer geplanten optischen Transplantation eine Zellzahl von mindestens 2500 Endothelzellen/mm2, so können die Hornhautscheibchen bei Vorliegen unauffälliger Ergebnisse der vorgeschriebenen Laboruntersuchungen zur Hornhautübertragung freigegeben werden.

Weitere interessante Informationen zur Hornhaut:

Die Hornhaut ist ein transparentes, kuppelförmiges Gewebe an der Augenvorderseite. Sie ist ein starkes brechendes Medium und trägt zu circa 2/3 zur Gesamtbrechkraft des optischen Apparates bei. Die Hornhaut stellt gewissermaßen die Fensterscheibe dar, durch welche Licht in das Auge einfällt - daher ist sie für eine gute Sehkraft von sehr grosser Bedeutung.

Anders als die meisten Gewebe des Körpers enthält die Hornhaut keine Blutgefäße, die sie ernährt oder gegen Infektionen schützt. Vielmehr bezieht die Hornhaut ihre Nährstoffe aus der Tränenflüssigkeit und aus dem Kammerwasser direkt hinter der Hornhaut. Die Hornhaut muss transparent bleiben, um Licht richtig brechen zu können und um so ein gutes Sehvermögen zu ermöglichen.
Eine Hornhaut besteht aus fünf Schichten, die jede für sich eine wichtige Funktion haben. Diese fünf Schichten sind:

Aufbau einer Hornhaut

  • Das Epithel
    Das Epithel ist die äußerste Schicht der Hornhaut, die zu circa 10% zur Gesamtdicke der Hornhaut beiträgt. Die Funktionen des Epithels sind im wesentlichen: (1) Schutz vor Fremdkörpern wie Staub, Wasser und Entzündungserregern; und (2) Aufrechterhalten einer glatten Oberfläche, welche Sauerstoff absorbiert, Nährstoffe aus der Tränenflüssigkeit aufnimmt und diese in tieferen Hornhautschichten weiterleitet. Im Epithel enden Tausende kleiner Nervenendigungen, die die Hornhaut zu dem am dichtesten sensibel innervierten Gewebe des menschlichen Körpers machen. Der Anteil des Epithels, der als Fundament zur Verankerung der Epithelzellen dient, wird als Basalmembran bezeichnet.
  • Bowman Membran
    Direkt unter der Basalmembran des Epithels befindet sich eine transparente Gewebeschicht, die als Bowman Membran bezeichnet wird. Sie besteht aus einer stabilen Proteinschicht (= Kollagen). Einmal verletzt kann die Bowman Membran vernarben und so stabil verheilen. Narben ausreichender Grösse haben bei zentraler Lokalisation eine Beeinträchtigung der Sehkraft zur Folge.
  • Stroma
    Unterhalb der Bowman Membran befindet sich das Stroma, welches zu 90% zur Gesamtdicke der Hornhaut beiträgt. Es besteht im wesentlichen aus Wasser (78%) und Kollagen (16%) und enthält keine Blutgefäße. Das Kollagen verleiht der Hornhaut ihre Härte, Elastizität und Form. Die einmalige Beschaffenheit des Kollagens und die Anordnung der Fasern sind entscheidend, um die Lichtdurchlässigkeit und Transparenz der Hornhaut zu gewährleisten.
  • Deszemet Membran
    Unterhalb des Stromas liegt die Deszemet Membran, eine dünnes, aber sehr widerstandsfähiges Gewebe, welches das Auge im Sinne einer Barriere vor Infektionen und Verletzungen schützt. Sie besteht aus Kollagenfasern (die sich von jenen des Stroma unterscheiden), und ist die Basalmembran der Endothelzellen, die unter ihr liegen.
    Hornhautendothel eines 65jährigen Hornhautspenders nach 17 Tage Kultivierung in der Hornhautbank
  • Endothel
    Das Endothel bildet die sehr dünne, am weitesten innen gelegene Schicht der Hornhaut. Die Endothelzellen sind wichtig, um die Transparenz der Hornhaut aufrechtzuerhalten. Normalerweise diffundiert Kammerwasser (die Flüssigkeit im Augeninneren) langsam vom Augeninneren in die mittlere Hornhautschicht (das Stroma). Dem Endothel kommt die Aufgabe zu, diese Flüssigkeit wieder aus dem Stroma herauszupumpen. Ohne diese Pumpfunktion würde die Stromaschicht anschwellen und schließlich eintrüben. Im gesunden Auge besteht ein Gleichgewicht zwischen dem in das Stroma einströmende und durch das Endothel wieder herausgepumpte Kammerwasser. Durch Krankheit oder Verletzung zerstörte Endothelzellen können sich nicht regenerieren. Ist die Anzahl der zerstörten Endothelzellen zu groß, entwickelt sich ein Hornhautödem und schließlich eine Erblindung - dann stellt eine Hornhautübertragung die derzeit einzige Therapiemöglichkeit dar.

Da die Hornhaut glatt und klar ist wie Glas, gleichzeitig jedoch fest und widerstandsfähig, dient sie dem Auge in zweierlei Hinsicht: 
Sie schützt den gesamten Augapfel vor Keimen, Staub und anderen schädlichen Einflüssen. Unterstützend wirken hier die Augenlider, die Tränenflüssigkeit sowie die Lederhaut (der weisse Anteil des Augapfels). 
Die Hornhaut wirkt als äußere Linse des Auges. Sie funktioniert wie eine Lupe, die den Lichteinfall in das Auge kontrolliert und fokussiert, sie trägt mit 65-75% zur Gesamtbrechkraft des Auges bei.

Einfallendes Licht trifft auf die Hornhaut und wird das erste Mal gebrochen. Von der Hornhaut aus fällt das gebrochene Licht durch die Linse auf die Netzhaut, eine Schicht lichtempfindlicher Nervenzellen am Augenhintergrund, welche Licht in Sehkraft "übersetzt". Um ein klares Bild zu erzeugen, müssen die Lichtstrahlen durch Hornhaut und Linse präzise gebrochen werden, um gebündelt auf die Netzhaut zu treffen. Die Netzhaut konvertiert daraufhin Licht in Nervenimpulse, die durch den Sehnerven in die Sehrinde des Gehirn geleitet werden. Der brechende (= refraktive) Vorgang ist ähnlich dem eines Fotoapparates: Hornhaut und Linse sind der Kameralinse vergleichbar. Die Netzhaut stellt gewissermassen den Film dar. Wird ein Gegenstand nicht richtig scharf gesehen ('fokussiert'), erhält der Film (die Netzhaut) eine verschwommene Abbildung.

Weiterhin wirkt die Hornhaut wie ein Filter, der einige der gefährlichsten UV-Strahlen des Sonnenlichts abschirmt. Ohne diesen Schutz wären Linse und Netzhaut sehr viel anfälliger für eine Schädigung durch UV-Strahlung.

Wie reagiert die Hornhaut auf Verletzungen?
Die Hornhaut zeigt bei kleinen Verletzungen oder Verlusten der obersten Zellschicht eine ausgeprägte Heilungstendenz. Ist die hochempfindliche Hornhaut z.B. durch einen Kratzer verletzt, wachsen zügig gesunde Zellen zur Deckung über das defekte Areal bevor Infektionen auftreten und die Sehkraft beeinträchtigt wird. Dringt nun eine Verletzung tiefer in das Hornhautgewebe ein, benötigt der Heilungsprozess eine längere Zeit. Dies kann gelegentlich mit größerer Schmerzempfindlichkeit, Verschwommensehen, Tränenträufeln, Rötung oder/und ausgeprägter Lichtempfindlichkeit einhergehen. Diese Symptome sollten einen zum Augenarzt führen. Tiefere Wunden können überdies zu Hornhautnarben führen, die oft eine Trübung mit deutlicher Reduzierung der Sehkraft zur Folge haben. In solch einem Fall kann eine Hornhautübertragung angezeigt sein, wodurch die Sehkraft in den meisten Fällen verbessert werden kann.

Allergien
Allergien beeinträchtigen das Auge relativ häufig. Die am weitesten verbreiteten Allergien sind solche verursacht durch Pollen, insbesondere bei warmem und trockenem Klima. Die Symptome können Rötung, Jucken, Tränen oder Brennen sein. Antihistaminika-haltige Augentropfen lindern die Krankheitserscheinungen, ebenso Regen und kühleres Klima, wodurch die Konzentration der Pollen in der Luft reduziert wird. Eine steigende Anzahl von Allergien sind auf lokale Medikamente zurückzuführen. Weiterhin können Tierhaare und bestimmte Kosmetika wir Mascara, Gesichtscremes, Brauenstifte Allergien auslösen. Das Berühren oder Reiben des Auges nach dem Gebrauch von Nagellack, Seifen oder von Chemikalien können allergische Reaktionen hervorrufen. Allergiesymptome treten vorübergehend auf und können durch Vermeidung des auslösenden Stoffs (=Allergens) umgangen werden.

Hornhautinfektionen
Die Hornhaut kann z.B. durch kontaminierte Fremdkörper, die in oder durch das Gewebe penetrieren, oder durch mit Bakterien oder Pilzen verkeimte Kontaktlinsen Schaden erleiden. Hier können sich schmerzhafte Entzündungen und Infektionen der Hornhaut (= Keratitis) entwickeln, manchmal eingehend mit Schädigungen der oberen Hornhautschichten (= Epithel, Bowman Membran, Stroma). Diese können die Transparenz der Hornhaut beeinflussen und so die Sehkraft herabgesetzen. Weiterhin können Infektionen der Hornhaut zu Vernarbungen führen, die ihrerseits die Sehkraft reduzieren und ggf. eine Hornhautübertragung erforderlich machen. Allgemein gilt, je tiefer die Hornhautinfektion desto schwerer sind die Symptome und der Verlauf. Hornhautinfektionen sind, auch wenn relativ selten, die schwerste Komplikation des Tragens von Kontaktlinsen. Hornhautinfektionen geringeren Ausmasses werden in der Regel mit antibiotischen Augentropfen behandelt. Bei schwererem Verlauf ist eine intensive Lokaltherapie mit Augentropfen angezeigt, um die Infektion zu kontrollieren. Zusätzlich kann der Einsatz von Kortikosteroiden erwogen werden, um den Entzündungsreiz zu dämpfen. Häufigere Kontrollen bei einem niedergelassenen Augenarzt über mehrere Monate sind u.U. notwendig, um den Verlauf der Entzündung zu beobachten, um schließlich eine funktionsfähige Hornhaut zu erhalten. 

Hornhautgeschwür mit stark entzündeter Bindehaut (Konjunktivitis)
Zentrales Hornhautgeschwür nach bakterieller Infektion und Kontaktlinsentragen: Die Hornhaut ist komplett eingetrübt mit oberflächlicher Gefäßeinsprossung von 12 Uhr ins Hornhautzentrum
Trockenes Auge
Trockenes Auge (LINK)
Spaltlampenansicht einer Hornhautdystrophie: Gut zu erkennen sind die hauchigen Eintrübungen im Bereich der zentralen Hornhaut 

Hornhaut-Dystrophien
Bei einer Hornhautdystrophie verliert die Hornhaut ihre Transparenz aufgrund mehr oder weniger dichter Ein-/Ablagerungen. Hierfür sind viele Faktoren ursächlich - gemein sind diesen Erkrankungsbildern folgende Aspekte:

  • sind i.d.R. vererbt, d.h. sie kommen auch bei anderen Familienmitgliedern vor
  • oftmals sind beide Augen betroffen
  • sie werden nicht durch äussere Faktoren wie Verletzungen o.ä. verursacht
  • die meisten schreiten langsam voran
  • die meisten beginnen in einer der fünf Hornhautschichten und breiten sich später in die umliegenden Schichten aus
  • die meisten beeinflussen weder andere Körperteile, noch stehen sie im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen des Körpers oder des Auges
  • treten also bei sonst gesunden Menschen auf

Hornhautdystrophien beeinträchtigen die Sehkraft auf sehr unterschiedliche Weise: manche führen zu Verschlechterung der Sehkraft, während andere keine Sehbeeinträchtigung bewirken und lediglich im Rahmen von Routineuntersuchungen festgestellt werden. Andere Dystrophien führen zu wiederkehrenden schmerzhaften Episoden. Einige der häufigsten Hornhautdystrophien sind die Fuchs Dystrophie, der Keratokonus, die stromalen Hornhautdystrophie sowie die Map-dot-fingerprint Dystrophie.

Fuchs Dystrophie
Die Fuchs Dystrophie ist eine langsam voranschreitende Erkrankung, die i.d.R. beide Augen und etwas häufiger Frauen als Männer betrifft. Obwohl Augenärzte oftmals Frühformen der Fuchs Dystrophie bei Patienten im Alter zwischen 30 und 40 Jahren feststellen, beeinträchtigt die Erkrankung selten die Sehkraft vor dem 50. bis 60. Lebensjahr. Eine Fuchs Dystrophie tritt auf, wenn - ohne offensichtlichen Grund - mehr Endothelzellen als normalerweise üblich verloren gehen. Da über die Jahre mehr und mehr Endothelzellen degenerieren, kann effektiv weniger Wasser aus dem Hornhaut-Stroma gepumpt werden. Als Folge kommt es zu einer Schwellung der Hornhaut, was mit zunehmendem Verlust der Sehkraft einhergeht. Im Endstadium treten Schmerzen durch Oberflächendefekte der Hornhaut auf. Die Flüssigkeitseinlagerung führt zu einer hauchigen Trübung, die die (vormals normale) Sehfähigkeit beeinträchtigt. Im Anfangsstadium dieser Erkrankung beklagen die Patienten eine Beeinträchtigung der Sehkraft direkt nach dem Aufstehen - mit Besserung im Tagesverlauf. Dies erklärt sich dadurch, dass die Hornhaut normalerweise morgens dicker ist: während des Schlafens lagert die Hornhaut Flüssigkeit ein, die während des Morgens über den Tränenfilm verdunstet. Beim Fortschreiten der Erkrankung bleibt die Schwellung der Hornhaut tagssüber unverändert und führt zu einer dauerhaften Reduktion der Sehkraft. Zur Behandlung dieser Erkrankung versuchen die Augenärzte zunächst die Hornhautschwellung mittels Augentropfen, -salben oder weicher Kontaktlinsen zu verringern. Sobald die Erkrankung den Patienten bei alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigt, kann eine Hornhauttransplantation angeraten werden, um die Sehkraft wieder herzustellen. Die Erfolgsrate der Hornhautübertragung für Patienten mit Fuchs Dystrophie ist gut.

Keratokonus
Diese Erkrankung - ein fortschreitendes Ausdünnen der Hornhaut - findet sich vermehrt bei Teenagern und Erwachsenen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Ein Keratokonus entsteht, wenn die zentrale Hornhaut zunehmend dünner wird, sich allmählich nach außen wölbt und so die Form eines runden Konus annimmt. Dies verändert die Brechkraft und verschlechtert die optischen Eigenschaften der Hornhaut. Im Endstadium kann der Keratokonus mit einer Schwellung und einer die Sehkraft limitierende Vernarbung der zentralen Hornhaut einhergehen. Studien deuten darauf hin, dass verschiedene Ursachen Bedeutung für die Entwicklung eines Keratokonus haben können:

  • Vererbung (circa sieben Prozent der Betroffenen haben eine auffällige Familiengeschichte).
  • Verschiedene Augenerkrankungen (wie Retinitis pigmentosa, Frühgeborenen-Retinopathie oder vernale Keratokonjunktivitis) und
  • System-Erkrankungen (wie die Leber'sche kongenitale Amaurose [Neurodermitis], ein Ehlers-Danlos Syndrom, das Down Syndrom (Trisomie 21), und die Osteogenesis imperfecta) gehen mit einem Keratikonus einher.

Der Keratokonus betrifft in der Regel beide Augen. Zunächst können die Patienten ihre Sehkraft z.B. mit einer Brille korrigieren. Bei steigendem Astigmatismus müssen sie jedoch auf speziell angepasste Kontaktlinsen zurückgreifen. 

In vielen Fällen bleibt der Befund noch eine gewisse Zeit stabil. Bei 10-20% dieser Patienten wird die Hornhaut jedoch (durch die zentrale Narben) trübe oder toleriert keine Kontaktlinse mehr. Treten diese Probleme auf, kann eine Hornhauttransplantation notwendig werden. Die Langzeitprognose dieser Operation ist in über 90% der Fälle mit fortgeschrittenem Keratokonus günstig. Verschiedene Studien zeigen weiterhin, dass 80% oder mehr der Patienten eine Sehkraft von mindestens 50% nach erfolgter Hornhautübertragung erreichen. 

Stromale Hornhautdystrophien
Um das 40. Lebensjahr zeigen einige Patientin mit stromaler Hornhautdystrophie Ablagerungen im Hornhaustroma, die als hauchige Trübungen die Sehkraft empfindlich stören können. Die Gruppe der stromalen Dystrophien kann in gittrige, fleckförmige und granuläre unterteilt werden. In einem solchen Falle wird in der Regel zu einer Hornhautübertragung geraten. Obwohl Patienten mit gittriger Hornhautdystrophie mit einer sehr guten Langzeitprognose hinsichtlich des Transplantatüberlebens rechnen dürfen, kann die Grunderkrankung auch die Spenderhornhaut angreifen, manchmal bereits 3 Jahre nach Transplantation. Wie eine Studie nachweisen konnte, zeigten rund die Hälfte der Patienten mit gittriger Hornhautdystrophie ein erneutes Auftreten der Erkrankung innerhalb von 2 - 26 Jahren nach der Hornhautübertragung. 15% dieser Rezidivfälle benötigten eine zweite Hornhauttransplantation. Frühe und wiederkehrende gittrige Hornhautdystrophie kann oftmals mit gutem Ergebnis mittels Excimer Laser behandelt werden.

Map-Dot-Fingerprint Dystrophie
Diese Dystrophieform tritt auf, wenn sich die Basalmembran des Epithels (Bowman Membran) abnormal entwickelt. Die Basalmembran dient gewissenmassen als Fundament für die Epithelzellen, welche auf der Basalmembran verankert sind und Nährstoffe aus der Tränenflüssigkeit aufnehmen. Ist die Basalmembran verändert, so können sich die Epithelzellen über ihr nicht regelrecht organisieren und anheften. Dies wiederum führt zu wiederkehrenden Epitheldefekten (sog. Erosiones). Epitheldefekte können ein chronische Beeinträchtigung darstellen. Sie verändern die optische Eigenschaften der Hornhaut und führen daher periodisch zu Verschwommensehen. Durch den Epitheldefekt liegen zudem Nervenendigungen ungeschützt exponiert an der Augenoberfläche, was mäßige bis starke Schmerzen über mehrere Tage hervorrufen kann. Im Allgemeinen ist der Schmerz morgens beim ersten Aufschlagen der Lider am heftigsten. Weitere Symptome sind vermehrte Blendungsempfindlichkeit, vermehrter Tränenfluss und Fremdkörpergefühl im Auge. Eine Map-dot-fingerprint Dystrophie, die gewöhnlich an beiden Augen auftritt, führt aber nur bei etwa 10% der Patienten zu Beschwerden. Wird jedoch eineTherapie notwendig, konzentrieren die die Augenärzte darauf, die Schmerzen (verursacht durch die Epitheldefekte) mittels z.B. Augentropfen oder Augensalben zu kontrollieren. Mit dieser Behandlung heilen die Erosiones normalerweise innerhalb von drei Tagen ab - dennoch können periodische Schmerzattacken für weitere Wochen später auftreten. Andere Behandlungsansätze sind z.B. ein Entfernen (=Abradieren) der alten Epithelzellschicht, um die Regeneration einer gesunden Epithelzellschicht zu ermöglichen, oder z.B. der Einsatz des Excimer-Lasers zur Glättung unregelmäßiger Augenoberflächen.

Augenbeteiligung bei Herpes Zoster (Gürtelrose)
Diese Infektion wird durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen, dasselbe Virus, das Windpocken auslöst. Nach dem erstmaligen Ausbruch von Windpocken (oftmals in der Kindheit) verbleibt das Virus inaktiv in Nervenzellen des zentralen Nervensystems. Bei manchen Menschen wird das Virus zu einem nicht bestimmbaren Zeitpunkt des Lebens reaktiviert. Geschieht dies, tritt z.B. Gürtelrose auf, sowie Fieber, schmerzhafte Entzündungen beteiligter Nervenstränge und ein allgemeines Gefühl der Niedergeschlagenheit.
Das Varicella-zoster Virus kann auch Kopf oder Hals beeinträchtigen und hier Auge, Teile der Nase, Wangen oder die Stirn betreffen. In Bezug auf eine Hornhautbeteiligung des Herpes zoster muss beachtet werden, dass Hornhautprobleme auch noch Monate nach Abklingen einer Zostererkrankung auftreten können. 

Iridokorneales endotheliales Syndrom (ICE-Syndrom)
Das ICE-Syndrom, häufiger bei Frauen und hier v.a. zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr diagnostiziert, hat drei Hauptmerkmale: (1) sichtbare Veränderungen der Iris (= Regenbogenhaut); (2) Hornhautschwellung; und (3) Entwicklung eines Glaukoms (LINK). Im Rahmen eines ICE-Syndroms kommt es durch Blockade des Kammerwasserabflusses zu einer Steigerung des Augeninnendrucks mit resultierender Sehnerven- und dadurch Gesichtsfeldschädigung. Das ICE-Syndrom betrifft in der Regel nur ein Auge. Es können drei Dystrophieformen unterschieden werden: (1) Irisnävus (oder Cogan-Reese) - Syndrom; (2) Chandlers Syndrom; und (3) eine progressive, essentielle Irisatrophie (daher das Akronym ICE). Als Ursache dieser Erkrankungsgruppe wird das Vorwachsen von Endothelzellen von der Hornhaut auf die Iris angesehen. Diese metaplastische Umwandlung der Hornhaut-Endothelzellen resultiert häufig in Hornhautschwellung, Verziehung der Regenbogenhaut, der Pupille und einer Augeninnendruckerhöhung (=Sekundärglaukom).

Augenbeteiligung bei Herpes simplex
Eine Beteiligung des Auges bei Herpes simplex-Infektion (auch Augenherpes genannt) ist eine wiederkehrende Virusinfektion. Sofern bereits eine Erstinfektion mit Herpes simplex am Auge aufgetreten war, kann ein Aufflackern bereits Wochen, aber auch erst Jahre nach der Erstinfektion vorkommen. Augenherpes kann schmerzhafte Verläufe mit Beteiligung der Augenlider oder der Augenoberfläche annehmen - weiterhin kann die Erkrankung mit einer Hornhautentzündung einhergehen. Eine prompte Behandlung mit anti-viralen Medikamenten bewirkt eine verzögerte Vervielfältigung der Herpesviren und bremst auf diese Weise Zerstörung der Hornhautoberfläche. Die Infektion kann sich jedoch auch tiefer in der Hornhaut ausbreiten und zur sog. stromalen Keratitis (Entzündung des Hornhautstromas) führen. Wiederholte Hornhautentzündungen können Vernarbungen der Hornhaut nach sich ziehen, was zur Verminderung der Sehkraft bis hin zur möglichen Erblindung reichen kann. Um dies zu verhindern, ist eine Hornhautübertragung ein Weg, die Sehkraft wiederherzustellen oder zu stabilisieren

Flügelfell (=Pterygium)
Ein Pterygium (=Flügelfell) ist ein lachsfarbenes Gewebe, das ist dreieckiger Form auf die Hornhaut von der nasalen Bindehaut aus vorwächst. Manche Pterygien wachsen relativ langsam aber kontinuierlich, während andere nach gewissem Wachstum nicht mehr weiterwachsen. Ein Pterygium erreicht selten solche Ausmasse, dass die Pupille des Auges und damit die optische Achse bedeckt wird. 
Das Auftreten von Pterygien wird häufiger in sonnigen Klimazonen und in den Altersgruppen von 20-40 Jahren beobachtet. Noch ist nicht bekannt, weshalb Pterygien entstehen. Manche Studien weisen ein erhöhtes Vorkommen von Pterygien bei Männern als bei Frauen nach. Mögliche Ursache sind eine vermehrte UV-Exposition sowie wiederholte Fremdkörper-Einwirkung auf die Hornhaut. Da ein Pterygium v.a. bei entzündlicher Rötung beim Blick auf die Augen von aussen oftmals erkennbar ist, wünschen viele Patienten aus kosmetischen Gründen die operative Entfernung. Dies wird jedoch erst dann angeraten, wenn tatsächlich die Sehkraft betroffen ist. Nach chirurgischer Entfernung kann ein Pterygium wiederkehren, v.a. wenn der Patient jünger ist. Augentropfen können eine Rötung des Auges reduzieren und chronischen Reiz lindern. 

Die Transplantation einer Spenderhornhaut ist eine wirksame Methode zur Verbesserung der Sehkraft bei Patienten mit z.B. Verletzungen der Hornhaut, Infektionen oder altersbedingter Hornhautdegenerationen.

Was ist eine Hornhaut-Transplantation? 
Bei einer Hornhauttransplantation wird die erkrankte oder vernarbte Hornhaut durch eine klare Spenderhornhaut ersetzt. Je trüber die Hornhaut, desto diffuser fällt Licht auf die Netzhaut ein - dies führt zu Verminderung der Sehleistung, ggf. bis zur Erblindung.

Wer benötigt eine Hornhaut-Transplantation?
Eine getrübte Hornhaut kann die Folge von Vernarbungen verschiedener Ursachen sein. Durch traumatische Verletzungen, Unfälle wie beispielsweise Verätzungen oder aber auch Infektionen können Trübungen dieser Art entstehen. Eine trübe Schwellung der Hornhaut kann durch eine Beschädigung oder Degeneration der innersten Zellschicht der Hornhaut, der Schicht der Endothelzellen, verursacht sein: Diese Zellschicht gewährleistet die Transparenz einer Hornhaut. Da sie sich nicht regenerieren kann, wird als Ersatz die Übertragung dieser Zellen im Rahmen einer Gewebetransplantation notwendig. Seltener werden Hornhauttransplantationen notfallmässig zur Behandlung schwerer Infektionen der Hornhaut, bei extremer Verdünnung oder Perforation der Hornhaut oder der Lederhaut durchgeführt. Patienten mit Verminderung der Sehkraft aufgrund erkrankter oder trüber Hornhaut mit intakter Funktion des Sehnerven und der Netzhaut profitieren in aller Regel von einer Hornhautübertragung durch Anstieg der Sehleistung. Die Übertragung einer Hornhaut kann im Falle einer Abstossung mehrfach wiederholt werden. Jedoch sinkt die Erfolgsrate bei Folge-Operationen im Vergleich zur Erstübertragung. Immunsuppression mag in diesen Fällen ein gangbarer Weg zur Vermeidung einer erneuten Abstossung des Spendergewebes darstellen.

Wie wird eine Hornhaut übertragen?
Die Transplantation einer Hornhaut ist eine mikrochirurgische Operation bei der gesundes Gewebe verwendet wird, um die eingetrübte Hornhaut zu ersetzen und um eine Verbesserung der Sehleistung zu erreichen. Zunächst werden die zentralen 7-8mm der trüben Hornhaut (Gesamtdurchmesser der Hornhaut beim Erwachsenen circa 12mm) mit einem Rundmesser ausgeschnitten. Darauf wird die Spenderhornhaut (passend ausgestanzt) eingesetzt und mit sehr feinen Nylonnähten eingenäht. Diese Operation ist auch unter der Bezeichnung optische penetrierende Keratoplastik (pKP) bekannt. Bei einer tektonischen (= deckende) pKP hingegen wird nur ein kleiner "Flicken" einer Spenderhornhaut in eine perforierte Stelle der Patientenhornhaut eingenäht. Ursachen einer solchen Perforation können durchgebrochene Hornhautgeschwüre oder gelegentlich Unfälle sein. Es gibt mehrere Varianten dieser Operation: Manchmal wird neben der Übertragung einer Hornhaut gleichzeitig die trübe Linse (Katarakt, grauer Star) entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt (sog. Triple-Operation, Triple-Procedure). 

Woher kommt die Spenderhornhaut und wie lange ist die Wartezeit auf eine Transplantation?
Die Hornhäute unseres Zentrums für Augenheilkunde werden praktisch in jedem Fall von der Hornhautbank der Augenklinik bereitgestellt (Cornea Bank Essen, CBE). CBE bezieht die Spender im wesentlichen in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Essen sowie von Multiorganspendern (in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung fuer Organspende). Die Wartezeit für eine Transplantation beträgt in der Regel 2-3 Monate, bei jüngeren Patienten aufgrund der Knappheit junger Spender länger.

Wie sind die Erfolgsaussichten und welches sind die Risiken für eine Operation?
Die Erfolgsrate bei einer Routine-Transplantation ohne Komplikationen sind circa 90% im ersten Jahr. Häufigere Komplikationen sind erhöhter Augeninnendruck (der nahezu immer mit Augentropfen erfolgreich behandelt werden kann) sowie die Abstossung der Spenderhornhaut, was jedoch in weniger als 5% der Patienten zu einer erneuten Hornhauttrübung führt. Das erste Jahr nach einer Transplantation ist besonders kritisch, da in diesem Zeitraum am häufigsten Komplikationen auftreten. 

Dr. Anke Manthey
Ansprechpartner

Dr. Anke Manthey

Leiterin der Hornhautbank

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Ansprechpartner

Dr. rer. medic. Henning Thomasen

Qualitätsmanagement-beauftragter/Technische Leitung

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